Montag, 21. Februar 2011

Parallelen...

... finde ich schon teilweise...

Und das macht mich gerade sehr nachdenklich...

Ich habe mich nach der Diganostik von Benny und der Bestätigung, dass er ADHS hat, mit umfangreicher Literatur eingedeckt... und habe nun schon einige Bücher zu der Thematik verschlungen...

Gestolpert bin ich immer wieder über einige ADS-typische Handlungsmuster, die ich teilweise auch bei mir selber in unterschiedlich ausgeprägtem Maße feststellen kann... vielleicht spinn ich jetzt auch, da sicherlich jeder etwas chaotische Mensch, sich wahrscheinlich in solchen Handlungsmustern  ein wenig wieder finden kann...

Und dennoch... Mir ist an mir selber beim Lesen dieser Bücher aufgefallen, dass ich oftmals viele Projekte gleichzeitig zu laufen haben, ohne eines davon richtig abgeschlossen zu haben... im Büro "triggere" ich mich bei langweiligen Arbeiten dadurch, dass ich zeitgleich mit einer anderen interessanteren Aufgabe beginne, um meine Aufmerksamkeitsspanne zu erhalten...  gleiches mache ich zu Hause, wenn es sich z.B. um langweilige Putzjobs handelt...

Insgesamt bin schon sehr impulsiv, und sage zu oft, was ich tatsächlich denke... ich bewerte oft kleine und gar nicht so wichtige positive Geschehnisse über... bin schnell enthusiastisch und euphorisch und negative Ereignisse können mich sehr "runter ziehen"...

Ich vergesse oft warum ich eigentlich in ein Zimmer gegangen bin... oder wo ich Dinge abgelegt habe... ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn... der mich auch schnell auf die Palme bringt.... wenn ich jemanden zuhöre, kann es sein, dass sich in der Zeit ein ganz anderer Gedankengang in meinem Kopf abspielt, der gar nichts mit dem Gespräch zu tun hat... ich falle gerne ins Wort, wenn es mir nicht schnell genug geht... und platze auch oft mit Antworten und Gedanken heraus... obwohl ich schon in meinem Leben ganz gut gerlernt habe mich hier zurückzuhalten.... Aufgaben schiebe ich oft bis zum letzten Moment auf, weil ich den Kick brauche unter enormen Zeitdruck zu stehen, um mich dann dieser Aufgabe widmen zu können... in der Schule habe ich immer auf den letzten  Drücker gelernt... oftmals noch in der Nacht vor der eigentlichen Klausur... so als wäre mein Gehirn erst dann handlungsfähig wenn der Druck besonders stark wird...

In vielen beschriebenen Sachen finde ich mich durchaus wieder... vielleicht erklärt das auch, dass ich mich teilweise ganz gut in Benny´s Wahrnehmungswelt einfühlen kann... und selbst wenn ich selber betroffen wäre (zu meiner Kindheit gab es den Begriff ADS noch nicht), so hat es doch etwas beruhigendes, dass  ich doch meinen Weg im Leben gefunden habe...

... oder ich bin jetzt einfach zu sensibilisiert auf das Thema und sehe schon Flöhe husten ;)

Nachdenkliche Grüsse

Kommentare:

Sille hat gesagt…

Liebste Birgit,

ich denke wir finden uns alle in Teilen (oder voll und ganz - so wie ich)in diesen Beschreibungen wieder, denn soooo sind wir Menschen.
Ich hatte Dich ja mal gefragt anhand welcher Verhaltensweisen Du auf die Idee gekommen bist, Benny "testen" zu lassen. Was in seinem "Verhalten" ließ darauf schließen?
Ich habe so meine Schwiergkeiten mit der Schublade "ADHS" und den anderen Schubladen, die's noch so gibt. Ich glaube jedes Kind ist anders und es gibt eben Kinder, die "Hummeln im Hintern" haben, Kinder die träumen, Kinder die viiiiel im Kopf haben und ihre Zeit brauchen alles zu ordnen und und und. Ich bin kein Fachmann und habe mich mit der Thematik auch nicht wirklich beschäftigt - es ist nur meine laienhafte Meinung und ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist Kindern einen "wissenschaftlichen" Stempel aufzudrücken. Soooooo viele Menschen sind genauso groß geworden ohne je eine Diagnose erhalten zu haben - Du hast Dich ja auch in den Beschreibungen wieder erkannt. Charakter? Wer legt fest was und wer und wie jemand der "Norm" entspricht. Ganz schlimm finde ich, wenn dann (zum Glück ja bei Euch nicht) noch Medikamente zum Einsatz kommen - wobei ich nicht einschätzen kann, ob das in EInzelfällen nötig ist?!?

Spannendes Thema! Vielleicht sollte ich mich auch mal ein wenig schlauer machen, um zu wissen wovon ich spreche ;-)). Ich bin glaube ich zu weit weg, weil nicht "betroffen" bzw. vielleicht nicht erkannt ;-).

Liebe Grüße, Sille

Heidegeist hat gesagt…

Lieber ein bißchen zuviel Aufmerksamkeit für die Dinge des Lebens als zu wenig. Und wer die Flöhe husten hört, hat ein gutes Gespür für seine Umwelt. Also ist nix falsch. LG Inge

Sabine hat gesagt…

Ich glaube, wir sind uns ziemlich ähnlich. Mittlerweile habe ich gelernt, mich etwas zurückzunehmen. Es fällt trotzdem nicht immer leicht.
Früher kannte man ADHS noch gar nicht. Das Wort Zeppelphilipp trifft es wohl auch.
LG Sabine

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Du, ich find mich auch in Deiner Beschreibung von Dir.
Sille hat in ihrem Kommentar das geschreiben, was ich mir auch manchmal denke.
Wenn es natürlich weitergeht und immer noch aufffälliger wird, wie z.b. bei Robert ... ja, dann muss man was tun. Und nun mit fast 10J. ist es nicht mehr zu übersehen. Nicht lesen, nicht schreiben so gar nicht mehr den "normalen" Verhalten eines 10jährigen ähnlich...und doch, sagt z.B. Michael hier öfter:"Wir sind auch autistisch..." weil ein jeder Dinge tut, die andere nie tun würden. Das Gut-Hinschauen auf unsere Kinder ist schon wichtig. Dass sie so aussortiert werden, das ist schlimm.
Ich möchte Dir noch "Danke" sagen für Deine lieben Worte. Ich weiss noch immer nicht, warum jemand sowas schreibt. Und nun meldet sie sich nicht mehr....
Schlaf gut
Elisabeth

katzenfreundin hat gesagt…

Liebe Birgit,

ich habe das jetzt mal durchgelesen und ich erkenne viel Ähnlichkeit mit mir. Ich bin auch schnell euphorisch und im nächsten Moment tottraurig, nur weil irgendwas nicht klappt. Ich bin ungeduldig, vergesslich, durcheinander, verträumt ....

Ja, früher gab es ADS noch nicht, aber ich dachte mir schon oft, ich könnte das auch haben.

Wie alt ist denn Dein Sohn? Ich habe das jetzt momentan nirgends gelesen. Adrian wird bald 10. Aber er bekommt seine Impulsivität immer mehr in den Griff und ich merke wirklich, wenn ich ruhig bleibe, egal wie er aufdreht, beruhigt er sich schneller wieder.

Alles Gute für Euch.

Liebe Grüße


Claudia

Bronte hat gesagt…

ADHs ist hochgradig erblich! Das weiss die Forschung inzwischen. Wir haben auch erst mit der Diagnostik der ersten Tochter vor 2 Jahren entdeckt, das mein Mann wohl der selbstbetroffene Elternteil ist. Das Einlesen ins Thema hat uns sehr geholfen. Ich kann heute nicht nur mit den Kindern, sonderrn auch mit meinem Mann besser umgehen. Ich weiss jetzt, wie schwer es ihm fällt langweilige Arbeiten zu erledigen, das er kein Zeitgefühl hat, viel vergisst, impulsiv ist... Es ist und bleibt ein Problem im Gehirnstoffwechsel. Da ist auch für Erwachsene nicht alles zu steuern. Manches geht einfach nicht... Und wenn ich in den letzten 2 Jahren eines hasse, dann das HALBWISSEN, das so viele Experten zu diesem Thema haben. ADHS ist keine Charakterfrage, keine Schublade, kein Problem unserer Zeit. Es ist eine ganz real vorhandener Stoffwechselstörung. Und eine andere Sichtweise macht aus meinen Töchtern keine kreativen Kinder, so sonst was nettes. Sie haben sehr viele reale Probleme, die kann man nicht schön reden. Gut, dass dein Kind schon in der Grundschule medikamentös eingestellt wurde. Das hilft! Das haben wir erst beim 3. Kind geschafft. ADS + Mädchen + hochbegabt = übersehen (Die Mutter hört die Flöhe husten, hat zu hohe Ansprüche, nicht jedes Kind ist gut in der Schule..., aus manchen wird halt nichts... an so on) Ich könnt mich in Rage schreiben. Ich hör jetzt aber auf. Morgen gibts Zeugnisse. LG, Bronte

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